Wo die Reben anders wachsen
Wein ist ein globales Kulturgut, das in vielen Regionen der Welt seine eigene Geschichte erzählt – von traditionellen Weinbautechniken bis hin zu modernen Innovationen. In manchen Regionen mussten die Menschen sehr kreativ werden, um Wein anzubauen und in ihre Kultur zu integrieren. Andere blicken auf eine sehr lange Tradition zurück und sind heute dennoch nur außerhalb des Mainstreams bekannt. Wir zeigen dir, dass Wein in seiner jahrtausendealten Geschichte in nahezu alle Ecken des Globus vorgedrungen ist, und nehmen dich mit auf eine kleine Weinweltreise von Japan bis Argentinien.
Der lange Weg des Weins um die Welt
Der Weinbau hat eine lange, faszinierende Geschichte: Vor über 8.000 Jahren hat diese Geschichte im Kaukasus, dem heutigen Georgien, ihren Anfang genommen. Von dort verbreitete sich Wein über Mesopotamien und Ägypten nach Europa. Die Griechen und Römer trugen maßgeblich zur Verbreitung des Weinbaus in Westeuropa bei, wo Länder wie Frankreich, Italien und Spanien zu traditionellen Weinproduzenten wurden.
Der Weinbau hat sich über Jahrtausende hinweg entwickelt und ist heute ein wichtiger Bestandteil vieler Kulturen und Wirtschaften in der ganzen Welt. Dabei haben die traditionellen europäischen Weinländer natürlich eine zentrale Rolle gespielt und weltweite Standards gesetzt. Heute glauben einige Weinfans vielleicht, dass die Weinproduktion und -kultur in diesen Ländern ihren Ursprung hat. Prägend waren sie, keine Frage – global betrachtet gibt es aber noch viele andere beachtliche und wichtige Weinkulturen.
Wein in Japan: Zwischen Tradition und Innovation
Japan mag für Sake und Whisky bekannt sein, aber auch Wein spielt eine wachsende Rolle. Yamanashi ist die traditionsreichste, größte und bekannteste Weinbauregion des Landes. Fast die Hälfte des in Japan produzierten Weines kommt aus Yamanashi. Typische japanische Sorten sind der weiße Koshu-Wein und der Rotwein aus der Rebsorte Muscat Bailey A. Beide gehören zu den ältesten in Japan gezüchteten Sorten. Koshu-Weine sind typischerweise von heller, grünlich-gelber Farbe mit leichtem, frisch fruchtigem Geschmack. Mehr Details über die Koshu-Trauben findet ihr bei Interesse unter
www.koshuofjapan.com.
Die Weine aus der Rebsorte Muscat Bailey A sind fruchtige, leichte Rotweine mit einem moderaten Säuregehalt und weichen Tanninen.
Während diese traditionsreichen Rebsorten eine über tausendjährige Geschichte in Japan haben, hat moderner Weinbau erst in den letzten Jahrzehnten an Fahrt aufgenommen. Heute entstehen in den Präfekturen Yamanashi, mit beeindruckenden 92 Weingütern, und in Hokkaido elegante Terroir-Weine. Und japanische Winzer denken gerne über den Tellerrand hinaus.
Info
Der Wein-Markt in Japan hat in den letzten Jahren ein bemerkenswertes Wachstum hingelegt. Japanische Weintrinker sind heute bereit, mehr für hochwertige importierte Weine zu zahlen. Inzwischen ist Japan nach den USA, dem Vereinigten Königreich, Deutschland und Kanada inzwischen der fünftgrößte Weinimportmarkt der Welt.
Quelle: QIV Jahresbericht 2023
Reisanbau trifft Reben: Japans Experimentierfreude mit Hybrid-Weinen
Neben klassischem Traubenwein entstehen immer mehr innovative Hybrid-Weine, die Elemente des traditionellen Reisanbaus mit Weinherstellung kombinieren. Dabei werden Techniken der Sake-Produktion mit der Fermentation von Trauben verbunden. Das Ergebnis: Weine mit einer feinen Umami-Note, die besonders gut zur japanischen Küche passen. Ein spannender neuer Ansatz, der zeigt, wie sich Tradition und Innovation vereinen lassen.
Orange Wine und Naturwein aus Georgien: Alter Trend, neue Begeisterung?
Georgien gilt als die Wiege des Weins, mit einer über 8.000 Jahre alten Weinbaugeschichte. Georgien ist nicht nur eines der ältesten Weinanbauländer der Welt, sondern auch ein Ort, an dem Wein tief in der Kultur und dem täglichen Leben verankert ist.
Eine Besonderheit des georgischen Weinbaus ist die uralte Qvevri-Methode, eine einzigartige Weinherstellung in großen, in den Boden eingelassenen Tonamphoren. Diese traditionellen Gefäße werden seit Jahrtausenden genutzt, um den Wein zu fermentieren und zu lagern. Die Trauben, oft mit Schalen, Kernen und Stielen, werden in die Qvevri gefüllt, wo der Wein langsam gärt und reift. Diese Methode verleiht den Weinen eine besondere Textur, charakteristische Tiefe und Tanninstruktur. Seit Weinfans weltweit immer stärker nach natürlichen und unverfälschten Weinen suchen, erlebt Georgien eine Renaissance. Viele georgische Winzer setzen auf biodynamische Methoden, um ihre jahrtausendealten Traditionen mit modernen, umweltschonenden Praktiken zu verbinden – und erobern damit Weinliebhaber weltweit.
Libanon: Alte Weintradition mit neuem Schwung
Asien ist ein heterogener Weinbaukontinent. In Vorderasien gehören dazu auch Länder wie der Libanon, der ebenfalls zu den ältesten Weinbauregionen der Welt gehört. Die Anfänge liegen im Libanon bis zu 5.000 Jahre zurück. Bereits die Phönizier kultivierten hier Wein und trugen maßgeblich zur Verbreitung des Weinbaus im Mittelmeerraum bei – so haben sich zum Beispiel auch die Römer von diesen exklusiven Bergweinen verwöhnen lassen. Heute ist das Bekaa-Tal das Zentrum des libanesischen Weinbaus, wo geschätzte 90 Prozent der Anbauflächen liegen und sowohl autochthone als auch internationale Rebsorten gedeihen. Heute gibt es ungefähr fünfzig Sorten auf circa 2500 Hektar Anbaufläche, Tendenz steigend. Die Kernkompetenz des Libanon liegt aber bislang im Rotwein. Cabernet Sauvignon, Syrah und Cinsault sind die Hauptsorten und mit den Namen der drei großen Châteaux Musar, Kefraya und Ksara verknüpft.
In den letzten Jahren hat nachhaltiger Weinbau zunehmend an Bedeutung gewonnen, und immer mehr Winzer setzen auf Bio- und Naturweine. Trotz wirtschaftlicher und politischer Herausforderungen bemühen sich libanesische Weinproduzenten um Qualität und Innovation, um international konkurrenzfähig zu bleiben. Wein ist angesagt im Libanon! Und libanesischer Wein im Kommen weltweit.
Argentinien: Herausragende Weine aus großer Höhe
Unten auf dem Globus, dabei hoch gelegen und ganz weit vorn: Erst im Laufe der vergangenen Jahrzehnte hat sich das Weinland Argentinien zu einem der dynamischsten Weinexporteure weltweit gemausert. Zu verdanken hat das Land diesen Erfolg vor allem einer Rebsorte: dem roten Malbec. Doch nicht jeder Malbec ist gleich Malbec. In der Provinz Salta liegen die höchsten Weinberge der Welt. Dort wachsen in bis zu 2.000 Meter Höhe, unter anderem, die rote Rebsorte Malbec und die weiße argentinische Rebsorte Torrontés. Hier trotzen Reben nicht nur der Luft, die in der Höhe immer dünner wird, sondern auch den extremen Schwankungen zwischen einer intensiven Sonneneinstrahlung am Tag und sehr niedrigen Temperaturen bei Nacht. Das Ergebnis? Dichte, konzentrierte und körperreiche Weine mit bemerkenswerter Frische. Diese Hochland-Weine beweisen, dass große Höhe auch ein Vorteil sein kann – und sie machen Argentinien zu einer der spannendsten Weinregionen der Gegenwart.
Lange Zeit tranken die Argentinier ihren Wein vor allem selbst. Bei einem Pro-Kopf-Verbrauch von 45 Litern im Jahr liegt die Importquote in Argentinien übrigens auch heute nur bei 0,04 Prozent – während weltweit jede dritte Weinflasche importiert wird. In den letzten 20 Jahren haben argentinische Winzer ihre Weine zunehmend in die Welt getragen, und so hat sich das Weinland Argentinien in den vergangenen Jahrzehnten zu einem der dynamischsten Weinexporteure überhaupt entwickelt.