Was macht für dich persönlich den perfekten Sommerwein aus – ist es eher eine Rebsorte, ein Stil, oder viel mehr das Gefühl, das er auslöst?
Ein Sommerwein muss für mich den Moment unterstreichen und die Atmosphäre unterstützen. Außerdem sollte er ein guter Speisebegleiter sein, da Sommer für Picknick, BBQ und Co. steht. Ich persönlich mag frische säurebetonte Weine gerne, verstehe aber auch, dass dies nicht für jeden Gast eine Ideallösung darstellt.
Natürlich fallen einem leichte Weißweine wie Sauvignon Blanc und Vinho Verde ein, auch Rosé wird oft genannt im Kontext Sommerwein. Allerdings habe ich in letzter Zeit gerade im Mittelmeerraum und in Kalifornien so viele tolle Beispiele für gekühlt servierte Rotweine und kräftige Weiße erleben dürfen, dass ich diese in meinem Portfolio für Sommernächte aufgenommen habe. Und Champagner geht eh immer!
Teilst du die Ansicht, dass ein guter Wein keine große Bühne braucht? Was ist für dich der perfekte Ort im Sommer, um Wein zu genießen?
Ein guter Wein bedarf in erster Linie guter Gesellschaft, mit der man ihn teilt. Aber die richtige Location macht sicher auch einen Unterschied. Das muss gar nicht stereotyp sein, sondern kann auch ein untypischer Ort sein.
Ich persönlich liebe lange Abende auf Rooftops oder irgendwas am Wasser, würde aber für ernstere Verkostungen tatsächlich immer eher Indoor bevorzugen.
Du begleitest Wein- und Champagner-Tastings auf Kreuzfahrten oder auch auf der Insel Sylt die sogenannten Weinerlebnistouren. Wie verändert sich das Erlebnis einer Verkostung, wenn sie draußen stattfindet, mit Meerblick und Sommerbrise?
Auf Sylt erleben wir den Wein im Weinberg, aus dem er kommt. Authentischer geht es ja gar nicht, und das verstehen meine Gäste auch. Weine an den Orten zu erleben, von denen sie stammen ist ohnehin immer eine besondere Erfahrung. Wir essen die gleichen Speisen wie der Winzer, atmen dieselbe Luft, riechen dieselbe Flora eines Anbaugebietes, das ist schon ein besonderes Privileg.
Allerdings kann gerade Wind auch das Bouquet eines Weines mindern, was natürlich eine Verkostung beeinflusst. Unterm Strich tauschen wir wahrscheinlich Sachlichkeit gegen Emotionen ein, was doch ein ganz faires Geschäft darstellt.
Welche Weine funktionieren deiner Erfahrung nach besonders gut bei sommerlichen Temperaturen – und gibt es No-Gos bei 30 Grad im Schatten?
Hättest Du mir die Frage vor ein paar Jahren gestellt, hätte ich wahrscheinlich gesagt, dass schwere Rotweine im Sommer keinen Sinn machen. Heute denke ich, das Einzige, was keinen Sinn macht, sind dogmatische Denkweisen.
Natürlich sind Weißweine und Rosés die offensichtlichere Variante, aber fahr doch mal ins Bordelais und erzähl den Winzern, dass Rotwein im Sommer nicht funktioniert. Die lachen Dich aus. Worauf man aber achten sollte bei warmem Wetter sind die Servier- und Trinktemperaturen der Weine. Meiner Meinung nach wird Rotwein ohnehin schon oft zu warm serviert.
Hast du eine Lieblingsanekdote zum Thema Wein, die du gern erzählst?
Wir saßen im Douro Valley in der Quinta de Nápoles und hatten Lunch mit dem gesamten Kellerteam und Daniel Niepoort. Eine super internationale und gut gelaunte Truppe. Der erste stellte verdeckt eine Flasche auf den Tisch und alle begannen, den Wein zu analysieren und blind herauszufinden, was es sein könnte.
Ich durfte mitmachen und so kam eine Buddel nach der anderen auf den Tisch. Es wurde sympathisch und spielerisch, aber auf extrem hohem Niveau verkostet. Glücklicherweise hatte ich einen Txakoli aus San Sebastian im Auto, den ich mit in die Runde werfen konnte.
Nach dem Lunch mussten alle zurück zur Arbeit, aber Daniel Niepoort bat mich und einen weiteren Gast, noch kurz zu bleiben. Er hätte noch eine weitere Blindprobe für uns. Ein kleiner Schluck dunkler Flüssigkeit wurde uns hingestellt.
„Tawny?", sagte ich. „Natürlich, aber was für einer?" kam von Daniel. „Ein alter Colheita?". Er fragte weiter: "Wie alt?". Der andere Gast tippte auf frühe 80er, vielleicht sogar 70er. Ich fand den Wein unglaublich lebendig, balanciert und sehr fein, aber er hatte auch Reife, tippte also auf 60er Jahre.
Daniel grinste über beide Backen und sagte, 60er sei korrekt. Doch bevor ich auch nur auf die Idee kommen konnte, stolz zu werden, lachte Daniel nur und wies mich daraufhin, dass ich mich gerade um 100 Jahre verschätzt hatte. Wir hatten Niepoort's legendären Erstjahrgang 1863 im Glas. Als Blindprobe. WTF?
Ich kann ihn heute noch schmecken, eine absolute Ikone, und eines der besten Weinerlebnisse meines Lebens.
Unsere letzte Frage: Was ist dein Lieblingswein? Kannst du uns erzählen, wie du deinen persönlichen Lieblingswein kennen- und lieben gelernt haben?
Die eine Flasche gibt es nicht, bzw. sie ändert sich immer wieder. Momentan ist es wahrscheinlich Colares von Viúva Gomes. Den hat Stephanie Hehn mir in Porto gezeigt und seitdem bin ich hooked. Leider gibt es nur so wenige Flaschen, aber vielleicht macht gerade das ihn auch zusätzlich besonders.
Generell bin ich aber großer Champagnertrinker. Mein erstes Aha-Erlebnis mit Champagner kam erst spät, da war ich schon voll ausgebildeter Sommelier. Ein Gast schenkte mir eine Flasche Egly-Ouriet Les Crayères Blanc de Noirs und bat mich, diesen in Ruhe aus Rotweingläsern zu probieren. Bereits der erste Schluck veränderte meine gesamte Sicht auf Champagner und entfachte eine Passion, die nie mehr wegging. Ich hatte verstanden, was Champagner sein kann, wenn man ihm die Chance dazu gibt.
Weine müssen bewegen und oft sind es nicht die Flaschen, sondern diejenigen, mit denen man sie teilt. Wichtiger als Lieblingsweine sind also Lieblingsmenschen und Lieblingsmomente. Aber wenn dann noch guter Stoff in der Flasche ist, schadet das sicher nicht.
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